
Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026
Sanierung des Denkmals „Spittel“
Engere Wahl

Projektbeschreibung
Die Sanierung des Denkmals „Spittel“ in Großengottern hat ein seltenes Zeugnis örtlicher Sozialgeschichte vor dem Verlust bewahrt. Das St. Andreas Hospital aus dem 14. Jahrhundert liegt an der Waidstraße und bildet mit Kapelle, Haupthaus, Schwarzküche und Nebengebäuden ein geschlossenes Ensemble in der Landgemeinde. Seine Bedeutung liegt nicht allein in der historischen Bausubstanz, sondern in der Erinnerung an Fürsorge, Krankheit und gemeinschaftliche Verantwortung.
Ausgangspunkt war der drohende Verfall des Denkmals. 2012 gründete sich ein Förderverein, der die Sanierung über viele Jahre trug. Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, privater Sponsoren, freiwilliger Helfer und der Jugendbauhütte wurde das Ensemble schrittweise gesichert und nach den Auflagen des Denkmalschutzes instand gesetzt. Die Fertigstellung 2024 steht damit auch für einen bürgerschaftlichen Prozess, der finanzielle Grenzen durch Ausdauer, Eigenleistung und öffentliche Aufmerksamkeit überwunden hat. Was auf den Bildern nur begrenzt sichtbar wird, ist die historische und soziale Tiefenschicht des Ortes. Das Spittel ist als eines von über 30 Leprosorien in Thüringen bekannt; der Geschichte der Lepra ist ein eigener Raum im Haupthaus gewidmet. Die acht Kammern, die Schwarzküche und die Kapelle erzählen von einer früheren Form sozialer Versorgung, die heute über Führungen und Bildungsangebote vermittelt wird. Besonders Schulklassen erhalten hier Zugang zu lokaler Baugeschichte und zu Fragen von Krankheit, Gemeinschaft und Ausgrenzung.
Die neue Nutzung bleibt dem Charakter des Ensembles angemessen. Kirchliche und standesamtliche Trauungen in der Kapelle, Buchlesungen, Konzerte, kleine Familienfeiern und Führungen machen aus dem sanierten Denkmal eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Ökologisch liegt der wichtigste belegbare Beitrag im Erhalt und in der Weiterverwendung vorhandener Bausubstanz. So zeigt das Spittel Baukultur als Pflege eines verletzlichen Erbes. Seine Qualität entsteht nicht aus spektakulären Eingriffen, sondern aus Rettung, Lesbarkeit und neuer Alltagswirksamkeit eines Ortes,
der die Geschichte des Dorfes und der Region weiter erzählbar macht.
Denkmals "Spittel"
Waidstrasse 20
99991 Unstrut-Hainich, OT Großengottern
Beteiligte
- Förderverein Spittel e. V. Großengottern
- Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Fertigstellung
2024

