Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie

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Projektbeschreibung

Schloss Schwarzburg im Schwarzatal ist ein Denkmal historischer Verdichtung. Die über 900 Jahre alte Anlage wurde im 18. Jahrhundert zum Barockschloss ausgebaut, 1919 nahe dem Ort der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung Teil deutscher Demokratiegeschichte und ab 1940 durch den geplanten Umbau zum Reichsgästehaus schwer beschädigt. 1942 blieb das Hauptgebäude als entkernte Bauruine zurück. Der Teilausbau von 2019 bis 2021 macht diesen Bruch zum Ausgangspunkt des „Denkorts der Demokratie“.
Die Leitidee der „Spuren- und Zeitenlese“ geht auf den Wettbewerb von 2012 und den Entwurf von Christiane Hille/Architekturbüro Tectum zurück. Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, IBA Thüringen, Gemeinde Schwarzburg, Förderverein, Tragwerksplanung und Restaurierung entwickelten daraus einen Ausbauabschnitt, der Denkmalpflege, Sicherheit und Bildung verbindet.

Was auf Bildern nur teilweise sichtbar wird, ist die Präzision des Eingriffs. Neue Einbauten wurden minimalinvasiv gesetzt; das Mauerwerk, teils über einen Meter stark, bleibt als graue Energie und Speichermasse erhalten. Der neue nördliche Gebäudeabschluss stellt die historische Kubatur wieder her und nimmt Treppenhaus sowie vorbereiteten Aufzug auf. Medienböden führen Elektroinstallationen, ohne die Wandflächen zu verletzen. Im Emporensaal wirkt die neue Empore als Ringanker, schafft eine zweite Nutzungsebene und bewahrt die Abbruchkante der 1940er-Jahre. Der Schlossturm wird über eine reversible Stahlbrücke zum zweiten Rettungsweg.

Material und Betrieb folgen dem Prinzip des Maßhaltens. Fichtenholz, maßgefertigte Holzfenster und Innentüren, reduzierte Technik und Temperierung statt Heizung ermöglichen Saisonbetrieb. Im Ahnensaal bleiben barocker Stuck, Risse, Schilfmatten und freiliegendes Schiefermauerwerk lesbar; im Emporensaal erzählen Einschreibungen, Stuckfragmente und Notsicherungen von Zerstörung und Sicherung. Ein Audiowalk machte den Prozess als Schaubaustelle öffentlich. Heute ist das Hauptgebäude nach 80 Jahren wieder zugänglich, dient Tagungen, Vorträgen, Führungen und Bildungsformaten und wird als außerschulischer Lernort weiterentwickelt. Schloss Schwarzburg zeigt, wie ein beschädigtes Denkmal nicht geglättet, sondern als Erinnerungs- und Handlungsraum aktiviert werden kann.

Schloss Schwarzburg
Schloßstraße 5
07426 Schwarzburg

Beteiligte

  • Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten
  • Architekturbüro Tectum, Christiane Hille
  • Ingenieurbüro Dr. Krämer
  • Rähmer Restaurierung Denkmalpflege
  • Gemeinde Schwarzburg
  • IBA Thüringen
  • Förderverein Schloss Schwarzburg Denkort der Demokratie e. V.

Sanierung

Fertigstellung
2021