Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2020/2021

Hörsaalgebäude an der FH Erfurt

Staatspreisträger

Die Fachbereiche Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der Fachhochschule (FH) Erfurt dürfen sich über einen neuen Hörsaal freuen. Architekturstudierende der FH haben die Projektidee entwickelt und einen ersten Entwurf gestaltet. Ziel des Projekts war es, ein Gebäude aus dem nachhaltigen Rohstoff Holz zu bauen. Das Gebäude sollte beweglich bleiben, also seinen Standort ohne großen Aufwand wechseln können. Ermöglicht wird dies durch die Verwendung von Bauteilen, die einzeln gut transportiert werden können.

Ein Windfang führt in den Hörsaal, der auf einer Fläche von 150 m² bis zu 156 Sitzplätze bietet. Das Gebäude wirkt hell und luftig. Die zum weiteren Campus hin geöffnete Glasfassade lässt ausreichend Licht in den Innenraum. Der Bau ragt über die Bodenplatte hinaus und lässt den Hörsaal leicht schweben.

Den Bauherren war ein harmonisches und schlichtes Erscheinungsbild wichtig. Deshalb wurden hauptsächlich Bauteile aus Lärchenholz und wenige weitere Materialien verwendet. Das Büro Funken Architekten hat das Projekt „Green Campus“ weiterentwickelt und umgesetzt. Holz als Baustoff hat eine lange Tradition und seine umweltschonende Verwendung wird immer wichtiger.

So überzeugt der Neubau durch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Gleichzeitig steht er für die besondere Bedeutung des Waldes und dessen Nutzung in Thüringen. Die Jury ist überzeugt von der ansprechenden Gestaltung und verleiht der Arbeit den Thüringer Staatspreis für Baukultur.

Projektbeschreibung

Das Neubauvorhaben Green Campus wurde auf Initiative und nach einem Vorentwurf des Fachbereichs Architektur der FH Erfurt geplant und umgesetzt. Das Vorhaben rückt den Baustoff Holz in den Mittelpunkt der Betrachtung, um eine nachhaltige und damit umweltschonende Raumlösung zu entwickeln, die demontierbar und als mobiles Hörsaalgebäude gedacht ist. Hauptziel des Experimentalbaus ist die spätere Mobilität.

Hierzu wurde das Bauwerk in gut zu transportierenden Modulen hergestellt und zusammengesetzt. Ergänzt wird das innovative Vorhaben durch eine regenerative Heiz- und Belüftungstechnik. Durch einen Windfang, welcher nicht innerhalb der thermischen Gebäudehülle liegt, betritt man den ca. 150 m² großen Hörsaal. Dieser bietet bis zu 156 Sitzplätze. Die Technikräume lassen sich über die westliche Gebäuderückseite von außen erschließen und liegen außerhalb der beheizten Fläche. Das ca. 16m x 15,5m  umfassende eingeschossige Gebäude ragt über die Bodenplatte hinaus und erscheint als schwebender Baukörper. Die Konstruktion wurde als Holztafelbau mit vorelementierten Boden-, Wand- und Dachelementen ausgeführt. Die verwendeten Holzleimbinder überspannen dabei den Hörsaal stützenfrei.

Der Entwurf für das Projekt Green Campus entstand im Wintersemester 2016/2017 durch Studierende der Fachhochschule Erfurt am Fachbereich Architektur sowie Gebäude- und Ingenieurtechnik. Im Anschluss wurde das Vorhaben vom Büro Funken Architekten weiterentwickelt und umgesetzt. Die Studierenden gingen der Frage nach, wie „temporärer Raumbedarf mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz sowie eine umweltfreundliche Heiz- und Belüftungstechnik befriedigt werden kann, ohne ein dauerhaftes Bauwerk zu errichten.“ Ziel des experimentellen Gebäudes war die spätere Mobilität. Das Bauwerk wurde in gut zu transportierenden Modulen hergestellt und später zusammengesetzt.

Der Green Campus stellt sich als ein monolithisch wirkender Baukörper dar. Die markanten Lärchenholzprofile überziehen sowohl die Wand- als auch die Dachbereiche und schaffen dadurch ein einheitliches Erscheinungsbild. Die nach Osten und damit zum Bestand ausgerichtete Glasfassade markiert zum einen den Eingangsbereich und sorgt außerdem für die nötige Belichtung der Aufenthaltsräume. Die puristische Anmutung wird im Innenraum, durch die Reduzierung auf möglichst wenige unterschiedliche Materialien, fortgeführt. Dominierend ist dabei, ebenso wie bei der Außenhülle, die Lärchenholzverschalung an den Decken- sowie Wandbereichen, welche ebenfalls als vorelementierte Einbauten konstruiert wurden.

Hörsaal in Holzbauweise
Leipziger Str. 77
99089 Erfurt
Thüringen

beauftragt von
Freistaat Thüringen, Landesamt für Bau und Verkehr, Abt. Hochbau, Erfurt

geplant von
Funken Architekten, Erfurt

FH Erfurt, Fakultät Architektur und Stadtplanung
Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen

Leonhardt, Andrä und Partner, Erfurt

Neubau

Bauzeit
01/2020 – 12/2020

Grundstücksfläche in m²: 500
Hauptnutzfläche in m²: 150

Urteil der Jury

Der Baustoff Holz gewinnt heutzutage an Bedeutung. Im Zeitalter der Klimakrise scheint er als nachwachsender, ressourcenschonender Rohstoff wieder zeitgemäß, ist der Holzbau doch so alt wie die Geschichte der Menschheit. Der für die Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der Fachhochschule Erfurt realisierte Hörsaal-Neubau verbindet den Baustoff Holz sinnbildend mit der vor allem für Thüringen bedeutsamen Wertschöpfungskette Wald – Holz – Gesellschaft und macht die Wirkungsprinzipien der Holzverwendung, nämlich die Verbindung von gesundem Leben, Zukunftsverantwortung und natürlicher Strukturförderung für den ländlichen Raum, für die hier Studierenden greifbar. „Holz als Lösung“ – diese Erkenntnis rückt eben diesen Baustoff in den Mittelpunkt der Betrachtung, um eine nachhaltige und damit umweltschonende Raumlösung zu entwickeln, die demontierbar und als mobiles Hörsaalgebäude gedacht ist.

Vom Duktus her markant und monolithisch wirkend, fügt sich der Baukörper, mit seinem leicht polygonalen Grundriss, städtebaulich eigenständig auf dem Campusgelände ein. Sowohl die Fassaden als auch das Dach des leicht schwebenden, eingeschossigen Gebäudes wurden einheitlich mit Lärchenholzprofilen überzogen. Die zum Bestand ausgerichtete Glasfassade markiert sinnfällig den Eingang, der barrierefrei über eine vorgelagerte Rampe erschlossen wird. Sie dient gleichzeitig als natürliche Belichtungsquelle für den Innenraum und erlaubt Ein- und Ausblicke.

Der ca. 150 m²  große, stützenfreie Hörsaal bietet bis zu 156 Sitzplätze. Die Technikräume liegen außerhalb der beheizten Fläche und werden von außen erschlossen. Die weiteren Fassaden zeigen sich weitestgehend geschlossen. Der auf wenige Materialien reduzierte Innenraum wird ebenso wie die Außenfassade vom Material Lärchenholz dominiert. Hauptaugenmerk lag hier besonders auf der Raumakustik, um eine zeitgemäße Lehre zu gewährleisten. Die Konstruktion wurde als Holztafelbau mit vorelementierten Boden-, Wand- und Dachelementen ausgeführt, was somit eine Versetzung an einen anderen Standort möglich macht. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach versorgt das Gebäude mit einer Luftheizung autark mit Energie.

Die Jury ist überzeugt von dem ansprechenden temporären und überaus sympathischen Bau, der zum einen beispielgebend für das verantwortungsvolle nachhaltige Bauen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz ist, zum anderen gleichwohl den Fokus auf eine angemessene und innovative architektonische Gestaltung richtet. Projekte wie der Neubau des Hörsaalgebäudes geben einmal mehr eine zeitgemäße architektonische Antwort für ein ressourcenschonendes Bauen, und das weit über die Grenzen des Freistaates Thüringen hinaus.