Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2020/2021

Schwimmhalle Ilmenau

Sonderpreis Holzbau

Die neue Schwimmhalle Ilmenau bringt die Natur in die Stadt. Der Neubau liegt zwischen einem Teichgebiet und dem Thüringer Wald. Hohe Fenster lassen viel Licht in den Innenraum und bieten einen tollen Ausblick in die Natur. Die Schwimmhalle wurde neben der Ilmenauer Eishalle errichtet. Beide Gebäude teilen sich einen Eingang. Das Hallenbad profitiert auf besondere Weise von der Nachbarschaft zur Eishalle: In der Kälteanlage der Eishalle entsteht Abwärme, die wiederum für die Heizung der Schwimmhalle genutzt wird.

Der Standort ist auch deshalb eine Besonderheit, weil die Schwimmhalle auf einer bestehenden Baugrube entstanden ist. Größere Maßnahmen im Erdreich waren deshalb nicht nötig und es konnten Kosten gespart werden. Den Erbauer:innen war es wichtig, durch die Gestaltung verschiedene Stimmungen zu schaffen. Der Eingangsbereich ist auffällig, der Badebereich wirkt luftig und leicht. Holz, Glas und Beton sind die verwendeten Materialien.

Die Jury hebt die besondere Dachkonstruktion hervor. Die verantwortlichen Ingenieur:innen haben moderne Planungsmethoden und eine anspruchsvolle Fertigungstechnik genutzt, um das Dach und seine Tragkonstruktion zu errichten. Ein Lob gilt auch der Standortwahl. Die neue Schwimmhalle schließt kostengünstig eine ehemalige Baulücke. Die Jury hofft , dass sich öffentliche und private Bauherren das Ilmenauer Projekt zum Vorbild nehmen und verstärkt auf den regionalen Baustoff Holz setzen.

Projektbeschreibung

Die neue Schwimmhalle am südöstlichen Rand des Stadtzentrums zwischen dem Ilmenauer Teichgebiet im Osten und dem ehemaligen Kurviertel und Thüringer Wald im Südwesten dient als innerstädtische Fortsetzung der bestehenden Naherholungsgebiete. Die Schwimmhalle schließt eine alte Baulücke im Stadtkörper. Die Nutzung einer ehemaligen Baugrube, die sich als kleine Teichanlage darstellte, vermied große Maßnahmen im Erdbau. Ein elementarer Grund für die Anbindung der neuen Schwimmhalle an die 2007 eröffnete Eissporthalle waren die Synergieeffekte zur Nutzung von Abwärme der Kälteanlage der Eissporthalle für die Wärmeversorgung des Hallenbades.

Ziel war ein kompakter Baukörper mit optimaler Ausnutzung der Fläche. Mit der Schalenform des Dachs werden neben dem statischen Vorteil einer materialsparenden Lastabtragung auch Vorteile hinsichtlich des Raumklimas erreicht. Das Raumvolumen wird ohne Beschränkungen der nutzbaren Flächen minimiert und so energetisch optimal ausgenutzt. Der gerundete Grundriss zielt ebenfalls auf diesen Effekt ab und wirkt sich zudem günstig auf die Akustik aus. Das neue Foyer verbindet Eissporthalle und Schwimmhalle und dient als zentraler Ankunftsort und Verteiler. Der Umkleide- und Duschbereich ist auf der Nordseite kompakt auf etwa einem Viertel der Grundrissfläche, die Technik im Untergeschoss angeordnet. Der Badebereich öffnet sich über die raumhohe Verglasung günstig nach Süden und Westen und ermöglicht den Ausblick in die Natur.

Im Innenraum treffen komplexe Geometrie und reduzierte Gestaltung aufeinander. Es werden eine Reihe von Stimmungen geschaffen: vom markanten Eingangsbereich über die introvertierten Umkleideräume bis hin zum luftig, leichten Badebereich mit seiner ausdrucksstarken Akustikdecke. Hauptmaterialien wie Glas, Holz und Beton verbinden sich zu einer gemütlichen und sportlichen Atmosphäre. Die Gestaltung der Sichtbetonwände mit runden Glasscheiben ist als Würdigung des ehemaligen Glasstandorts Ilmenau gedacht.

Schwimmhalle Ilmenau
Karl-Liebknecht-Straße 34
98693 Ilmenau
Thüringen

beauftragt von
Stadtverwaltung Ilmenau, Bäderbetrieb

geplant von
Ingenieurbüro Möller + Meyer Gotha GmbH, Gotha

studio gollwitzer architekten gmbh, München

RUGE+MESSERSCHMIDT
Architektur und Projektsteuerung GbR, Ilmenau

TRABERT + PARTNER
Ingenieurbüro für Statik + Konstruktion, Geisa

STRAB Ingenieurholzbau Hermsdorf GmbH, Hermsdorf

Projektsteuerung
Erfurt & Partner GmbH – Architekten & Stadtplaner, Erfurt

Neubau

Bauzeit
01/2018 – 10/2020

Grundstücksfläche in m²: 12.822
Hauptnutzfläche in m²: 1.621,5
Primärenergiebedarf in kWh/m²a: 108
Endenergiebedarf in kWh/m²a: 288
Wärmeverlust in W/m²: K 0,14 (Dach) bis 1,0 (Glasfassade)

Urteil der Jury

Mit der Verleihung des Sonderpreises Holzbau für den Neubau der Schwimmhalle Ilmenau würdigt die Jury die hohe ingenieurtechnische Leistung bei der Umsetzung des Tragwerkskonzeptes der Dachkonstruktion. Für das funktionale Gebäude wurde eine dynamisch geschwungene Kubatur mit raumhoher Verglasung gewählt, die dem Nutzer neben dem sportlichen auch ein ästhetisches Erlebnis und einen wunderbaren Panoramablick in die Natur bietet. Die komplexe, dreidimensional gekrümmte Dachschale ist raumseitig mit einer eindrucksvollen Akustikdecke versehen. Das wellenartig frei geformte Dach besteht aus segmentierten, vorgefertigten Rippenelementen aus Brettschicht- und Brettsperrholz. Variable Neigungen bedingen individuelle Geometrien für alle zum Teil mehrfach gekrümmten Rippenbinder. Die Umsetzung dieser ausdrucksstarken Tragstruktur stellte hohe Anforderungen an die Planung, statische Berechnung und Bauausführung und war nur durch die Anwendung moderner digitaler Planungs- und Fertigungsmethoden realisierbar.

Neben den holzbautechnischen Aspekten ist die durchdachte Standortwahl bei der Schließung einer alten Baulücke im Stadtbild hervorzuheben. Innovativ wird die Abwärme der Kälteanlage der benachbarten Eissporthalle für die Wärmeversorgung des Hallenbades genutzt. Durch die Errichtung der Halle im Bereich einer ehemaligen Baugrube konnte zudem der Erdbau kostenoptimierend reduziert werden.

Die Würdigung der Umsetzung kommunaler Bauaufgaben mit Holz soll Motivation für öffentliche und private Thüringer Bauherr:innen sein, den nachhaltigen, regional verfügbaren Baustoff Holz verstärkt im Bauwesen zu verwenden und damit einen sichtbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.