Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Promenadendeck Erfurt – Fuß- und Radwegbrücke

Auszeichnung

Das Promenadendeck am Schmidtstedter Knoten in Erfurt ist eine neue Brücke für Menschen zu Fuß und mit dem Fahrrad. Früher gab es hier eine alte Brücke. Heute verbindet das Promenadendeck die Innenstadt mit der Oststadt und dem neuen Stadtviertel ICE-City Ost.

Das Promenadendeck ist mehr als ein Weg von einem Ort zum anderen. Es ist auch ein Ort zum Ankommen und Verweilen. Menschen können von hier den Blick über den Flutgraben genießen. Und hier können Menschen eine Pause machen, sitzen, die Aussicht genießen und andere Menschen treffen. Alle Menschen können sie gut nutzen. Die Brücke ist ohne Hindernisse. Die Brücke passt gut zur Umgebung. Sie ist auch ein Zeichen für den Übergang in ein neues Stadtviertel. Sie verbindet wichtige Wege in der Stadt. So finden Menschen leichter ihren Weg.

Für die Brücke entstand eine besondere Stahlkonstruktion. Sie passt sich den verschiedenen Bereichen an. Die flachen Rampen erleichtern allen Menschen die Nutzung. Mit 6 Metern Breite bietet das Promenadendeck viel Platz. Über der Straße ist sie besonders schlank und über der künftigen Stadtbahn ist sie sehr flach. Am Flutgraben wird sie breiter. Die schmalen Stahlstützen tragen die Brücke.
Sie wirken fast unsichtbar.

Dadurch scheint das Promenadendeck über dem Boden zu schweben. Die Brücke ist stabil und langlebig. Sie braucht nur wenig Pflege. Das spart Zeit und Geld. Am Rand der Brücke gibt es LED-Leuchten in Stelen, Handläufen und Sitzmöbeln. Die Sitzstufen laden auch zum Ausruhen ein. Die Brücke ist für die Zukunft vorbereitet. Später soll hier auch eine Stadtbahn halten. Dann können noch mehr Menschen bequem umsteigen.

Die Jury hat das Projekt bewertet: Besonders ist die Idee, die Brücke nicht nur als Verkehrsweg zu bauen. Sie ist zugleich ein schwebender Platz für die Menschen in der Stadt. Die Brücke kann Menschen verbinden. Sie kann zum Aufenthalt einladen. Und sie kann einen neuen Treffpunkt für die Stadt schaffen. So verbindet das Bauwerk Mobilität und Aufenthalt. So ist eine Brücke auch ein öffentlicher Ort für alle.

Projektbeschreibung

Das Promenadendeck am Schmidtstedter Knoten in Erfurt ist mehr als eine neue Fuß- und Radwegbrücke. Es schließt eine lange spürbare Lücke zwischen Innenstadt, Oststadt und der entstehenden ICE-City Ost. Der Ort liegt zentral und war dennoch durch Stadtring, Flutgraben und Verkehrsbauwerke stark getrennt. Mit dem Neubau wird eine historische Wegeachse wieder aufgenommen, die einst aus dem Stadtkern über das Schmidtstedter Tor in die Vorstadt führte.

Die Leitidee war, Infrastruktur als öffentlichen Raum zu entwerfen. Das Promenadendeck soll nicht nur schnell und sicher queren lassen, sondern als schwebender Platz funktionieren: als Bündelungspunkt für Rad- und Fußwege, als Aussichtsort über dem Flutgraben und als städtebauliches Zeichen für den Sprung in ein neues Stadtquartier. Das 2017 gestartete Wettbewerbsverfahren legte dafür klare Qualitätsziele fest: Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität, städtebauliche Integration, bessere Bedingungen für nichtmotorisierten Verkehr und eine wartungsarme Konstruktion. Was auf den Bildern nur teilweise sichtbar wird, ist die konstruktive Präzision des Bauwerks. DKFS Architects und schlaich bergermann partner entwickelten keinen additiven Brückenkörper, sondern ein ausdifferenziertes Stahltragwerk,
dessen Form aus Verkehrsfluss, Lichtraumprofilen, Entwässerung und stadträumlicher Wirkung entsteht. Über der Stauffenbergallee erscheint das Deck als schlanker Kasten mit leichtem Stich; über der späteren Stadtbahntrasse bleibt der Querschnitt stark reduziert, um den geforderten Freiraum zu halten. Am Flutgraben entfaltet sich der Querschnitt zu einem Trog, der die Sitzstufen und den Aufenthalt am Landschaftsraum ermöglicht. Nur acht Zentimeter starke Stützenscheiben aus Vollstahl treten zurück und verstärken den schwebenden Eindruck.

Auch die Ausführung folgt dem Ziel langfristiger Robustheit. Der Stahlbau ohne Lagerkonstruktionen wurde trotz schwieriger Rahmenbedingungen durch Corona, Wirtschaftsflaute, Ukrainekrieg und schwankende Stahlpreise gewählt, weil er über die Nutzungsdauer wartungsarm und tragfähig bleibt. Eine baubegleitende Qualitäts- und Fertigungsüberwachung sowie LED-Technik in Stelen, Handläufen und Sitzmöbeln sichern Betrieb und Unterhalt. Das Promenadendeck stärkt die Verkehrswende dort, wo zuvor Angsträume, Umwege und autogerechte Prioritäten dominierten. Mit sechs Metern nutzbarer Mindestbreite, flacher Längsneigung, Sitzstufen und der vorbereiteten barrierefreien Anbindung an die künftige Stadtbahnlinie 9 verbindet es Mobilität, Aufenthalt und Stadtentwicklung zu einem wirksamen Stück Baukultur.

Promenadendeck Erfurt
Schmidtstedter Straße/Schmidtstedter Knoten
99084 Erfurt

Beteiligte

  • Landeshauptstadt Erfurt, Stadtverwaltung, Tiefbau- und Verkehrsamt
  • DKFS Architects (Dirk Krolikowski, Falko Schmitt)
  • Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
  • sbp schlaich bergermann partner

Fertigstellung
2022

Urteil der Jury

Welche Wirkung hatte das erste Bild oder die erste Begegnung mit dem Projekt auf Sie?
Offene und transparente Wegeführung, spannender Aufenthaltsort der Begegnung.

Was inspiriert Sie an diesem Projekt?
Optimierung der örtlichen Verkehrsbeziehungen, robuste, nachhaltige Konstruktion.

Welche gesellschaftliche Wirkung entfaltet das Projekt?
Das Promenadendeck schafft Orte der Verbindung. Neben der Verbindung zweier Stadtteile ist eine barrierefreie Verbindung zur geplanten Stadtbahnlinie vorgesehen.

Inwiefern trägt es zur Verbesserung des öffentlichen Raums oder der Lebensqualität bei?
Das Promenadendeck schafft einen attraktiven Aufenthaltsort. Die gelungene Gestaltung und Einpassung vor Ort eröffnet die Chance, den öffentlichen Raum zu einem Erlebnisort zu gestalten.

Welche Botschaft vermittelt das Projekt für die Baukultur in Thüringen?
Als Infrastrukturprojekt stellt es unter Beweis, dass gerade die Verbindung von Gestaltung, Nutzung und Ausführung zu einem lebendigen Part der Baukultur beiträgt.

Wie wird dieses Projekt in zehn Jahren wahrgenommen werden?
Bauwerke wie das Promenadendeck zeichnen sich durch ihre gesicherte Langlebigkeit aus. Nach vollständiger Integration aller geplanten Wegebeziehungen wird sich der Steg zu einem geschätzten Aufenthaltsort weiterentwickeln.