Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Projekt Stadtmensch – Open Lab / Stadtbude, Altenburg

Auszeichnung

Das Open Lab ist ein Ort für Begegnung und gemeinsames Arbeiten in Altenburg. Hier können sich Menschen treffen, gemeinsam arbeiten, Ideen entwickeln, Dinge reparieren und Neues ausprobieren. Die Stadtbude gehört zum Projekt und bringt dieses Angebot an verschiedene Orte in der Stadt.  So ist draußen ein Raum für Begegnung entstanden.

Die Stadt Altenburg verändert sich. Am Anfang waren der Leerstand und das fehlende Angebot an Raum. Die Stadt hat neue Orte für die Gemeinschaft gebraucht. Zunächst wurde ein Raum ausprobiert. Daraus entstand ein fester Treffpunkt für die Menschen in der Stadt. Die Farbküche und die städtische Erlebe was geht gGmbH haben das Open Lab für alle Menschen entwickelt.

Kinder und Jugendliche gehören ebenso dazu wie Familien, Vereine, Schulen, soziale Einrichtungen, Stadtverwaltung und aktive Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam haben sie den Raum weiterentwickelt. Der Raum lädt Menschen ein, mitzumachen und eigene Ideen einzubringen, ohne dabei besonderen Eindruck machen zu wollen. Der Raum lässt sich leicht verändern. Er ist Werkstatt, Treffpunkt, Veranstaltungsraum und Lernort zugleich. Vorhänge teilen den Raum bei Bedarf in kleinere Bereiche. Die Regale und Möbel sind robust und für den täglichen Gebrauch gemacht. Gebrauchsspuren sind auch ausdrücklich erwünscht.

Das Projekt nutzt bestehenden Raum. Auf rund 200 Quadratmetern finden viele verschiedene Angebote Platz. Reparieren, Selbermachen und Weiterverwenden von Abfall gehören zum Alltag. So werden Materialien und Bestand geschont. Die Stadtbude, während der Corona-Pandemie entstanden, ergänzt das Open Lab. Die verwendeten Materialien lassen sich gut trennen und weiterverwenden. Baukultur kann mehr als ein neues Gebäude sein. Bestehende Räume erhalten eine neue Aufgabe. Gestaltung und Beteiligung gehen Hand in Hand. So entstehen Orte, die offen, veränderbar und dauerhaft nutzbar sind.

Die Jury hat das Projekt bewertet: Der behutsame Umbau des Bestands und die gesellschaftliche Aktivität der Beteiligten sind beispielhaft. Das Open Lab und die Stadtbude schaffen wichtige Orte für Begegnung, Lernen und Zusammenhalt. Sie zeigen, wie Architektur das Leben in der Stadt stärken kann.

Projektbeschreibung

Projekt Stadtmensch in Altenburg verbindet das Open Lab in der Moritzstraße 6 mit der mobilen Stadtbude. Ausgangspunkt war kein fertiges Raumprogramm, sondern ein städtischer Bedarf: In einer Stadt, die mit Leerstand, demografischem Wandel und dem Verlust gemeinschaftlicher Orte umgehen muss, wurde ein vorhandener Raum erprobt und dauerhaft als soziale Infrastruktur aktiviert.

Die Leitidee ist ein offener, nicht hierarchischer Möglichkeitsraum. Die Farbküche als Initiatorin und Betreiberin sowie die Erlebe was geht gGmbH als kommunaler Akteur entwickelten das Projekt nicht für eine feste Zielgruppe, sondern mit Kindern, Jugendlichen, Familien, Vereinen, Bildungs- und Sozialträgern, Verwaltung und engagierten Menschen. Diese Entstehung prägt die Architektur: Sie soll nicht repräsentieren, sondern Aneignung, Austausch und Selbstwirksamkeit ermöglichen. Was auf den Bildern nur teilweise sichtbar wird, ist die räumliche und organisatorische Flexibilität. Das Open Lab ist Werkstatt, Begegnungsort, Veranstaltungsraum, Beteiligungsplattform und soziales Labor zugleich. Textile Vorhänge mit transparenten Aussparungen zonieren den Raum je nach Anlass, ohne seine Offenheit aufzugeben. Sichtbare Materialien, offene Regale und robuste Möblierung erzeugen keine Kulisse, sondern eine Arbeitsatmosphäre, in der Spuren der Nutzung Teil der Qualität sind.

Der größte ökologische und wirtschaftliche Hebel liegt im Weiterbauen des Bestands. Statt spezialisierter Neubauflächen bündelt das Open Lab viele Nutzungen auf rund 200 Quadratmetern. Reparieren, Selbermachen und Upcycling sind nicht nur Programminhalte, sondern räumliche Praxis. Die Stadtbude überträgt diese Haltung in den Außenraum. Als während der Corona-Pandemie entstandenes mobiles Pendant schafft sie Begegnung an wechselnden Orten. Der einfache Holzbau ist modular aufgebaut, ab drei Segmenten nutzbar und erweiterbar; auf Verbundstoffe wird verzichtet, Materialien bleiben trennbar und recycelbar. So entsteht Baukultur weniger als Objekt denn als Verfahren. Projekt Stadtmensch zeigt, wie Bestand, Gestaltung und Beteiligung zu einem belastbaren öffentlichen Raum werden können: bezahlbar, wandelbar und offen für Menschen, die klassische Kultur- oder Beteiligungsformate oft nicht erreichen.

Open Lab
Moritzstraße 6
04600 Altenburg

Bauherrschaft
Gemischt

Fertigstellung
2021

Beteiligte

  • Farbküche
  • Meier Unger Architekten
  • Erlebe was geht gGmbH

Urteil der Jury

Welche Wirkung hatte das erste Bild oder die erste Begegnung mit dem Projekt auf Sie?
Lust, den Ort und die Menschen kennenzulernen.

Was inspiriert Sie an diesem Projekt?
Die prägnante und minimalinvasive Gestaltung der Bestandsräume, um sie als Begegnungs- und Veranstaltungsort zu nutzen und das vielfältige Angebot und Engagement der Beteiligten für die Stadtgesellschaft, insbesondere für Kinder und Jugendliche in Altenburg. Es ist ein besonderer
Alltagsort für den sozialen Zusammenhalt in Altenburg entstanden.

Welche Aspekte empfinden Sie als besonders innovativ?
Ungewöhnliche, kluge Raumgestaltung mit u. a. dem Vorhang, der unterschiedlichste Nutzungen erlaubt. Kleiner Eingriff, große Wirkung.

Inwiefern trägt es zur Verbesserung des öffentlichen Raums oder der Lebensqualität bei?
Es schafft Begegnung, Austausch, Gespräche, handwerkliche und geistige Angebote, Kontakt mit Ungewohntem, Unbekanntem, Anderem und Reibung. Aus dem Ort heraus entsteht Beschäftigung mit der eigenen Stadt, der Stadtentwicklung und mit eigenen Bedürfnissen als Stadtmensch – das ist Demokratiearbeit und ein Ort der Demokratie – das Projekt macht einen echten Unterschied!

Welche Argumente haben letztlich den Ausschlag gegeben?
Soziale Orte wie dieser, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, werden dringend gebraucht. Gerade bei einer stark schrumpfenden und alternden Stadtgesellschaft und vor dem Hintergrund unserer Polykrisen brauchen wir Orte des Aushandelns, Treffens, Lernens und der zwischenmenschlichen Begegnung – es geht damit um ein Lernen von Selbstwirksamkeit für die eigene Lebenssituation und (auch gebaute) Umwelt. Wenn diese Orte, wie in Altenburg, anspruchsvoll architektonisch gestaltet sind, gewinnen alle. Neben dem Open Lab, der „Base“ im Bestandsgebäude, ist die Stadtbude als mobile Begegnungsinfrastruktur eine spannende Ergänzung für den vielfältigen, auch zukünftigen Alltag der Angebote der Macherinnen und Macher.