Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Gesundheitskioske

Staatspreis

Die Gesundheitskioske helfen Menschen in der Dorfregion Seltenrain. Sie bieten Beratung zu Gesundheit und Pflege. Sie liegen direkt an Bushaltestellen in den Orten und sind gut erreichbar. Die vier Kioske sind im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen entstanden.

Sie verbinden Angebote für Gesundheit mit Mobilität und öffentlichem Leben. Für alle Kioske gilt eine gemeinsame Idee. Sie sehen ähnlich aus. Jedes Gebäude ist an seinen Standort angepasst. Die Kioske fügen sich gut in die einzelnen Dörfer ein. Jeder Kiosk hat einen Beratungsraum, einen Warteraum für den Bus und eine Toilette. Vor dem Gebäude gibt es: Sitzgelegenheiten, Ladestationen für E-Bikes, Gemeinschaftsbeete, zeitweise Verkaufsflächen für regionale Produkte und kostenloses WLAN.

So entstehen Orte für Hilfe, Austausch und Begegnung auf kleiner Fläche. Beim Bau wurde auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Gebäude bestehen überwiegend aus Holz. Viele Bauteile sind vorgefertigt und können später wiederverwendet werden. Auch gebrauchte Materialien aus den Dörfern wurden wiederverwendet. Die Kioske benötigen wenig Platz und wenig Energie. Eine Infrarotheizung wärmt einzelne Räume. Die Dächer sind für Solaranlagen vorbereitet.

Ein wichtiger Teil des Projekts war die Zusammenarbeit. Planerinnen und Planer, Handwerksbetriebe, Studierende und Menschen aus den Dörfern haben gemeinsam an den Kiosken gearbeitet. Die Kioske sind ein neues Angebot für die Gesundheitsversorgung und stärken die Gemeinschaft in den Dörfern.So sind sie auch Vorbilder für andere Orte.

Die Jury hat das Projekt bewertet: Die Gesundheitskioske sind ein Beispiel, wie Gebäude den Alltag der Menschen verbessern können. Die Kioske verbinden mehrere Funktionen in einem kleinen Gebäude und beleben wenig genutzte Plätze. Gleichzeitig machen sie Gesundheitsangebote direkt im Dorf erreichbar. Das stärkt die Gemeinschaft und macht auch kleine Orte attraktiver.

Projektbeschreibung

Die Gesundheitskioske in der Dorfregion Seltenrain reagieren auf eine im ländlichen Raum drängende Aufgabe: medizinische Beratung, Pflege, Versorgung und alltägliche Begegnung müssen erreichbar bleiben, wo Wege länger und Ortskerne älter werden. Im Rahmen der IBA Thüringen entstanden vier kleine Infrastrukturbauten in Holzbauweise. Sie stehen an Bushaltestellen in den Ortskernen und verbinden Gesundheitsvorsorge mit Mobilität und öffentlichem Leben.

Der Entwurf von PASEL-K Architects versteht die Kioske als architektonische Familie. Sie folgen keiner starren Modulbauweise, sondern einer gemeinsamen Denkökonomie: ähnliche konstruktive Logik, aber ortsspezifische Antworten auf Topografie, Denkmalumfeld, Wendeschleife, Verkehrsinsel oder bestehende Bebauung. So entsteht Wiedererkennbarkeit, ohne die Eigenart der einzelnen Dörfer zu nivellieren.

Was auf den Bildern nur teilweise sichtbar wird, ist die funktionale Dichte der Bauten. Jeder Kiosk umfasst einen Beratungsraum, einen zuschaltbaren Wartebereich für den Bus und eine Sanitärzelle. Die vorgelagerten „Tabletts“ erweitern die Gebäude in den Außenraum: mit Sitzmöglichkeiten, E-Bike-Ladestellen, Gemeinschaftsbeeten, Pop-up-Regioverkauf, WLAN und digitalem Landplausch. Aus einer Kleinstarchitektur wird ein Ort für Versorgung, Information und Begegnung.

Konstruktiv zielt das Projekt auf Einfachheit, Ressourcenschonung und Wiederverwendbarkeit. Tragwerk sowie innere und äußere Bekleidungen bestehen aus Holz und Holzwerkstoffen. Die Maße wurden an gängige Holzbaumaße angepasst, Bauteile vorgefertigt und reversibel gefügt. Rezyklierte Materialien aus dem Dorf konnten in die Lowtech-Konstruktion eingebunden werden. Geringe Grundfläche, punktuelle Infrarotheizung und vorbereitete Photovoltaikflächen reduzieren den energetischen Aufwand. Entscheidend ist der Bauprozess. In Bauhütten, an runden Tischen und in einem offenen Bau-Laboratorium im ehemaligen Dorfsupermarkt Sundhausen wurden Planer:innen, Handwerk, Studierende und Dorfbewohner:innen früh zusammengebracht. Das Projekt entwickelt damit nicht nur eine Typologie für dezentrale Gesundheitsversorgung, sondern auch ein übertragbares Verfahren. Die Kioske schließen Lücken in Versorgung, Kommunikation und Teilhabe und stärken die Verbindung der Dörfer untereinander.

Gesundheitskioske
verschiedene Ortskerne der Region Seltenrain: Blankenburg, Bruchstedt, Urleben, Kirchheilingen, Sundhausen

Beteiligte

  • Stiftung Landleben (Christopher Kaufmann)
  • Pasel-K Architects
  • Gesundes Landleben
  • IBA Thüringen

Neubau

Fertigstellung
2023

Urteil der Jury

Welche drei Adjektive beschreiben das Projekt am treffendsten und warum?

nachhaltig
Die Kioske sind als flexible Bau- bzw. Raumlösungen in Holzbauweise unter Verwendung regionaler Materialien gedacht, die sich an unterschiedliche Standorte und Bedarfe anpassen lassen.

ortsintegriert
Statt als Fremdkörper im öffentlichen Raum wirken die Kioske bewusst wie selbstverständlich eingepasste Infrastruktur. Sie greifen typische Dorf- und Alltagsräume (z. B. Haltestellen, zentrale Plätze) auf und fügen sich gestalterisch und funktional in die bestehende Umgebung ein.

multifunktional
Baulich sind sie nicht auf eine einzige Nutzung ausgelegt, sondern für mehrere Funktionen parallel: Beratung, digitale Gesundheitsangebote, Haltestelle, E-Bike-Ladestation, WLAN-Hotspot und soziale Treffpunkte.

Inwiefern trägt es zur Verbesserung des öffentlichen Raums oder der Lebensqualität bei?
Viele ländliche öffentliche Räume sind funktional vorhanden (Plätze, Haltestellen), aber wenig belebt. Die Kioske bringen dort eine dauerhafte, sinnvolle Nutzung hinein. Dadurch entstehen „aktive Orte“ statt bloßer Durchgangsräume. Wir sprechen auch von Dritten Orten, die Menschen in Kommunikation versetzen und Gemeinschaft neu erlebbar werden lassen. Die Kioske verlagern Unterstützung aus entfernten Institutionen direkt in den Wohn- und Alltagsraum. Das verändert die Wahrnehmung: Hilfe ist nicht „weit weg organisiert“, sondern im eigenen Umfeld verfügbar. Über den konkreten Nutzen hinaus sendet das Projekt ein Signal: Auch kleine Orte können über hochwertige, zeitgemäße Infrastruktur verfügen. Das wirkt identitätsstiftend und erhöht die Attraktivität ländlicher Räume.

Was inspiriert Sie an diesem Projekt?
Inspirierend ist, wie konsequent hier Alltagsinfrastruktur neu gedacht wird – nicht groß, sondern nah am Menschen. Man sieht, dass Architektur nicht spektakulär sein muss, um wirksam zu sein – sondern zugänglich, nachhaltig und authentisch.

Welche gesellschaftliche Wirkung entfaltet das Projekt?
Die gesellschaftliche Wirkung liegt weniger in einem einzelnen Service, sondern in einer Verschiebung: Gesundheit wird zugänglicher, sozial eingebetteter und besser koordiniert – besonders in Regionen, in denen klassische Versorgungsstrukturen unter Druck stehen.