Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Freibad-Kolonnade

Engere Wahl

Projektbeschreibung

Die Freibad-Kolonnade in Rippershausen entstand an einem zuvor wenig gefassten Bereich in der Dorfmitte, wo Hauptstraße, Festwiese und ehrenamtlich betriebenes Naturfreibad aufeinandertreffen. Für den Ort mit rund 800 Einwohner:innen war die Aufgabe mehr als der Ersatz von Kiosk oder Festzelt: Gesucht wurde eine dauerhafte Infrastruktur für Schwimmbad, Kulturbiergarten, Märkte, Feiern und alltägliche Begegnung.

Entwickelt und gebaut wurde die Kolonnade als Design-Build-Projekt der Bauhaus-Universität Weimar. Drei Wettbewerbsverfahren übersetzten die Anforderungen der späteren Nutzer:innen in konkrete Entwurfsentscheidungen. Schwimmbadfreunde, Kulturbiergarten, Gemeinde, Studierende und Lehrende wirkten als Bauherrschaft, Jury und Ausführende zusammen. Diese Prozessqualität ist auf den Bildern kaum sichtbar, erklärt aber die starke Aneignung des Bauwerks durch das Dorf. Die bauliche Idee ist radikal einfach: ein langes Dach als neue Ortsmitte. Das Tragwerk besteht aus einem einheitlichen Holzquerschnitt von 8 x 8 Zentimetern. Dadurch wurde die Konstruktion verständlich, wirtschaftlich und auch für Laien montierbar. Alle Verbindungen sind geschraubt und reversibel; das Bauwerk bleibt rückbaubar, reparaturfähig und fortschreibbar.
Weit eingerückte Stützen schaffen eine freie Mittelzone, große Dachüberstände schützen das Holz, Wellblech und Leinölbehandlung sichern robuste Alterung bei geringem Unterhalt.

Auch die Zukunft des Projekts ist konstruktiv mitgedacht. Die eigens entworfenen Metallfüße der Stützen dienen zugleich als Halterungen für Bänke, leichte Trennwände oder spätere Umkleiden. Der Kiosk kann zum Freibad, zur Straße oder beidseitig genutzt werden und erleichtert den ehrenamtlichen Betrieb. Perspektivisch soll mit Holz aus dem gemeindeeigenen Wald weitergebaut werden; ein Handbuch dokumentiert Konstruktion und Prozess. So verbindet das Projekt einfache Mittel mit hoher sozialer Wirkung. Es stabilisiert das Freibad, entlastet den Kulturbiergarten von provisorischer Infrastruktur und gibt Rippershausen einen öffentlichen, barrierefreien und ganzjährig nutzbaren Ort. Die Kolonnade zeigt, wie Baukultur im ländlichen Raum entstehen kann, wenn Gestaltung, Selbstbau, lokale Ressourcen und gemeinschaftliche Verantwortung zusammengedacht werden.

Rippershausen
Im Dorf 4
98639 Rippershausen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen)

Beteiligte

  • Dr.-Ing. Stephan Schütz, Julius Tischler, Dr. Kassandra Löffler
  • Gemeinde Rippershausen

Neubau

Fertigstellung
2023