Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel

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Projektbeschreibung

Die Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel an der A71 bei Sömmerda verbindet Mobilitätsinfrastruktur mit einem der bedeutendsten Bodendenkmale Thüringens. In unmittelbarer Nähe des größten weitgehend erhaltenen frühbronzezeitlichen Grabhügels Mitteleuropas entstand im Rahmen der IBA Thüringen ein Ort, der den kurzen Halt ermöglicht und zugleich Landschaft und Geschichte erschließt.

Ausgangspunkt war ein interdisziplinäres Verfahren, das Architektur, Landschaft und Kommunikationsdesign zusammenführte. DEGES und Shell, das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie die IBA Thüringen entwickelten keine standardisierte Kompaktanlage, sondern ein ortsbezogenes Konzept. MONO Architekten nahmen das historische Langhaus von Dermsdorf als räumliche Referenz auf. Der langgestreckte Baukörper folgt der flachwelligen Topografie, bleibt niedriger als der Fürstenhügel und ordnet sich dem Bodendenkmal unter. Was auf Bildern nur teilweise sichtbar wird, ist die konstruktive und landschaftliche Präzision dieser Zurückhaltung. Eine leichte Stahlkonstruktion ermöglicht große Spannweiten und ein stützenfreies Tankdach; Schraubverbindungen unterstützen Rückbau und Wiederverwendung. Außen nimmt sich eine Aluminiumhülle gegenüber der Landschaft zurück, innen schafft Weißtanne eine ruhige Atmosphäre für Gastraum, Foyer und Ausstellung. Die klare Grundstruktur organisiert Tankvorgang, Shop, Gastronomie, kurze Wege und längere Aufenthalte gleichermaßen.

Der historische Kontext wird nicht nur erzählt, sondern räumlich vermittelt. Ausstellung, Lehrpfad und Zeitreiseweg beziehen archäologische Erkenntnisse ein und führen Besucherinnen und Besucher vom Gebäude in Richtung Hügel. Freiraumgestaltung, Rad- und Fußwege, Terrasse, Offenland und naturnah entwickelte Ausgleichsflächen machen die Anlage auch für regionale Besucher nutzbar. Auch technisch zielt das Projekt auf Zukunftsfähigkeit. E-Ladestationen, die Möglichkeit zur Wasserstoffnachrüstung sowie ein Energiekonzept mit Wärmepumpen und Eisspeicher erweitern die Funktion über den heutigen Autobahnbetrieb hinaus. So entsteht eine Rastanlage, die Infrastruktur nicht als austauschbaren Zwischenstopp behandelt, sondern als Zugang zu Landschaft, Archäologie und regionaler Identität.

Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
A71 Leubinger Fürstenhügel
99610 Sömmerda

Fertigstellung
2021

Beteiligte

  • Bundesrepublik Deutschland vertreten durch „Die Autobahn GmbH des Bundes“, diese vertreten durch DEGES Deutsche Einheit
  • Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH
  • Shell Deutschland GmbH
  • MONO Architekten
  • MUS Studio
  • Planorama Landschaftsarchitektur
  • Brückner Dietz GmbH
  • GIG GmbH
  • KMP GmbH
  • Artelia GmbH
  • Heister – Ronkartz
  • Planova
  • HÖRSTKE Großküchen/Einrichtungen GmbH
  • Albrecht & Partner
  • Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
  • IBA Thüringen

Fertigstellung
2021