Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2026

Innerstädtischer Landschaftspark „Nördliche Geraaue“

Auszeichnung

Die Nördliche Geraaue ist ein großer Park in Erfurt. Er ist für die Bundesgartenschau 2021 entstanden. Der Park verbindet auf 64 Hektar viele Orte miteinander: Wohngebiete, Spielplätze, Sportplätze, andere Parks, Wasser, Wiesen und Natur.

Der Park ist etwa 4,5 Kilometer lang, vom Nordpark bis zum Kilianipark. Früher war das Gebiet sehr unterschiedlich. Es gab Straßen und alte Industrieflächen. Die Flussufer waren schwer zu erreichen. Die Grünflächen waren voneinander getrennt. Heute ist das anders. Menschen können sich dort erholen, spazieren gehen und Rad fahren. Für Spiel und Sport gibt es ruhige Plätze in der Natur.

Alle Menschen können den Park gut nutzen. Der Park ist barrierefrei. Für den Park wurden viele Flächen verändert. Alte Straßen und Parkplätze wurden entfernt. Der Boden wurde gereinigt. Auch der Fluss wurde verbessert. Die Ufer sind flacher. Ein großer See kann viel Wasser speichern. Das schützt die Stadt besser vor Hochwasser und die Luft bleibt im Sommer kühler.

Das Wasser wird auf natürliche Weise gereinigt. Der Boden und die Pflanzen helfen dabei. Die Erde von den Bauarbeiten blieb als neue Landschaft mit Hügeln und anderen Formen vor Ort. Im Park wachsen etwa 1.000 neue Bäume. Dazu kommen Wiesen und Sträucher. Für Wege und Plätze hat man Naturstein, Holz, Stahl und Sichtbeton genutzt. Diese Materialien sollen lange halten. Sie brauchen nur wenig Pflege.

Viele Fachleute haben gemeinsam an dem Projekt gearbeitet. Dazu gehörten zum Beispiel Fachleute für Landschaft, Wasser, Straßen und Umwelt. Heute ist die Nördliche Geraaue ein großer öffentlicher Park. Er schützt die Natur, verbessert das Klima und bringt Menschen zusammen.

Die Jury hat das Projekt bewertet: Die Idee war mutig. Viele einzelne Grünflächen wurden zu einem großen Park verbunden. Das verbessert das Klima und schafft Platz für Erholung, Bewegung und Begegnung. Vor allem der Norden der Stadt gewinnt dadurch viel. So ist ein vielseitiger öffentlicher Raum entstanden. Die Nördliche Geraaue zeigt: Große Grünflächen sind wichtig. Sie schaffen Platz für Menschen und Natur. So wird die Stadt lebenswerter.

Projektbeschreibung

Die Nördliche Geraaue in Erfurt ist kein Einzelpark, sondern eine neue städtische Landschaftsinfrastruktur. Im Rahmen der Bundesgartenschau (BUGA) 2021 wurden entlang des westlichen Geraufers auf rund 4,5 Kilometern vom Nordpark bis zum Kilianipark vorhandene Grünanlagen, Brachflächen und neue Parkabschnitte zu einem 64 Hektar großen Freiraum verbunden. Damit erhielt der dicht bewohnte Norden der Stadt eine durchgängige Verbindung zwischen Großwohnsiedlungen, historischem Zentrum und offener Landschaft.

Die Entwurfsidee liegt in der Rückgewinnung der Flussaue als ordnender Struktur. Wo zuvor Verkehrsflächen, industrielle Brachen, unzugängliche Ufer und fragmentierte Grünräume nebeneinanderlagen, entstand ein System aus Wegen, Parkbändern, Wasserflächen, Spiel- und Sportorten sowie naturnahen Rückzugsräumen. Die barrierefreie Gera-Achse stärkt den Fuß- und Radverkehr und macht den Landschaftsraum im Alltag nutzbar. Was auf Bildern nur teilweise sichtbar wird, ist der ökologische und technische Unterbau. Entsiegelung und Bodensanierung auf ehemaligen Industrie-, Verkehrs- und Parkplatzflächen stellten Bodenfunktionen wieder her. Der Umbau des Wehrs Teichmannhof, die Renaturierung der Gera und ihrer Nebengewässer, flache Uferzonen, Retentionsflächen und ein rund 10.000 Quadratmeter großer Wasserspeichersee verbessern Hochwasserschutz, Versickerung und Mikroklima. Die Wasserreinigung erfolgt über Bodenfilterung und natürliche Sukzession; Erdmassen aus Tief- und Gewässerbau wurden weitgehend vor Ort zur Geländemodellierung eingesetzt.

Auch gestalterisch folgt das Projekt dem Prinzip der dauerhaften Landschaft. Rund 1.000 standortgerechte Bäume, extensive Wiesen, Gehölzstrukturen und robuste Materialien wie Naturstein, Sichtbeton, witterungsbeständiger Stahl und Holz sind auf Alterungsfähigkeit und geringen Unterhalt ausgelegt. Wegeführung und Ausstattung überlagern die Auenlandschaft nicht,
sondern machen ihre Maßstäbe lesbar. Die Umsetzung erforderte die koordinierte Zusammenarbeit von Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung, Wasserbau, Tiefbau, Umwelt- und Altlastenfachplanung. Aus einer zerschnittenen Randzone entstand ein belastbarer öffentlicher Raum, der Mobilität, Erholung, Klimaanpassung, Biodiversität und soziale Teilhabe miteinander verbindet.

Innerstädtischer Landschaftspark „Nördliche Geraaue“
Vom Nordpark bis nach Gispersleben
Erfurt

Beteiligte

  • Landeshauptstadt Erfurt
  • geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH
  • Planungsbüro Grobe (PBG) Ingenieurgesellschaft mbH
  • ifw Ingenieurbüro für Wassertechnik (Dipl.-Ing. Jürgen Fiedler)

Erweiterung im Rahmen der Bundesgartenschau 2021

Fertigstellung
2021

Urteil der Jury

Welche drei Adjektive beschreiben das Projekt am treffendsten und warum?

verbindend – die Nördliche Geraaue verbindet Stadträume und Nachbarschaften und bietet Orte für Austausch und Gemeinschaft
blau-grün – qualitätvolle Freiraumgestaltung trifft auf ökologische Entwicklung des Flussraums und zeigt die Bedeutung blau-grüner Infrastrukturen für die Stadt
vielfältig – sorgsam gestaltete Orte mit verschiedenen Nutzungsangeboten und Atmosphären lassen vielfältige Situationen und Begegnungen entstehen

Was inspiriert Sie an diesem Projekt?
Wie es gelingt, mit einer wohltuenden Unaufgeregtheit einen großzügigen Landschaftspark zu gestalten, der vielfältige Nutzungsansprüche an einen Park mit ökologischen Zukunftsfragen und den Herausforderungen klimaresilienter Stadtentwicklung verbindet.

Welche Aspekte empfinden Sie als besonders innovativ?
Das Projekt zeigt, wie durch die Vernetzung und Entwicklung von Freiräumen Stadtstrukturen repariert und verbunden werden und die Lebensqualität in der Stadt erhöht werden kann. Insbesondere der dicht bewohnte Erfurter Norden braucht diesen Freiraum. Mit Mitteln der Landschaftsarchitektur entstehen hier sorgsam gestaltete, multicodierte blau-grüne Freiräume, die Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Erholung, Sport, Begegnung und soziale Teilhabe befördern.

Inwiefern trägt es zur Verbesserung des öffentlichen Raums oder der Lebensqualität bei?
Erfurt hat mit dem Landschaftspark einen öffentlichen Freiraum erhalten, der viel kann und viel bietet: angenehme und erholsame Orte für Pausen und Entspannung, grüne Fuß- und Radwegeverbindung, die den bevölkerungsreichen Norden von Erfurt mit der Innenstadt verbindet, Abkühlung an heißen Tagen unter schattigen Bäumen oder am Wasser, Plätze zum Spielen und Toben, Raum für Sport und Aktivität, Begegnungsorte für Gemeinschaft und Austausch, die Hinwendung zum Fluss mit Aufenthaltsorten am Wasser, aber auch Fläche für Wasser bei Starkregen oder Hochwasser, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Entdeckungen und Alltagsabenteuer.