Stilisiertes Preisobjekt des Thüringer Staatspreises für Baukultur

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2020/2021

Gemeinschaftsschule Wenigenjena

Sonderpreis Barrierefreiheit

In Jena wurde lange keine neue Schule gebaut. Jetzt ist der erste Schulneubau nach der Wende entstanden. Die Gemeinschaftsschule Wenigenjena wurde im August 2019 eröffnet und bietet rund 1.000 Schüler:innen der Klassen 1–12 ein modernes Lernumfeld.

Die Jahrgänge sind in sogenannten „Clustern“ organisiert: Je vier Klassen gruppieren sich in einem Cluster. Jeder Cluster hat große Klassenzimmer und verschiedene Lernräume. Eine große offene Lernfläche bildet den Mittelpunkt. Die Cluster sind auch an verschiedenen Farben zu erkennen, sowohl in den Innenräumen als auch an der Außenseite der Schule.

Der Eingangsbereich liegt in der Mitte des Gebäudes. Er ist nach oben hin offen und verläuft über zwei Stockwerke. Im zweiten Obergeschoss befindet sich die große Sporthalle. Ein Thema ist an der Schule besonders wichtig: Inklusion. Unter den Schüler:innen sind auch Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung. Für sie gibt es einen eigenen Pflege- und Therapiebereich.

Die Gemeinschaftsschule Wenigenjena zeigt, wie Architektur einen Beitrag zur schulischen Inklusion leisten kann. Die Planer:innen haben ein Gesamtkonzept geschaffen, das Schüler:innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen ein gesundes und sicheres Lernen ermöglicht. Auch Akustik, Farbgebung und Beleuchtung entsprechen den Anforderungen eines inklusiven Schulalltags. Die Jury verleiht dem Projekt daher den Sonderpreis Barrierefreiheit.

Projektbeschreibung

Premiere in Jena: Erster Schulneubau nach der Wende. Als erste neue Schule nach der Wende wurde durch KIJ – Kommunale Immobilien Jena – der Schulneubau der Gemeinschaftsschule Wenigenjena errichtet und im August 2019 pünktlich eröffnet. Er bietet für rund 1.000 Schüler:innen der Klassen 1 bis 12 eine moderne Ganztagsschullandschaft mit einem hohen Inklusionsangebot. Den repräsentativen Teil des Gebäudes bildet das zentrale Foyer als zweigeschossiges Forum mit einer direkt angrenzenden, großzügigen Aula bzw. Mensa und darüber gestapelter Zweifeldsporthalle im 2. Obergeschoss.

Das innovative Schulkonzept folgt dem Lernhausgedanken. So organisiert sich die Schulstruktur in Jahrgangsclustern für je vier Klassen. Diese Cluster enthalten große Klassenzimmer und verschiedene Lernräume, wie Gemeinschafts- und Differenzierungsräume sowie eine große offene Lernfläche im Zentrum. Verschiedene Spezialcluster für den Fachunterricht ergänzen das Angebot. Die Farbgestaltung unterstreicht die Clusterbildung und findet sich auch in der Fassadengestaltung wieder.

Eine Besonderheit ist der Pflege- und Therapiebereich mit einem vielfältigen Raumangebot für Schüler:innen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, wodurch eine Vollinklusion im Schulalltag möglich ist. Die Möblierung wurde im Rahmen der Ausstattungsplanung für die gesamte Schule konzipiert. So bilden Architektur und Einrichtung eine gestalterische und funktionale Einheit, mit optimalen Bedingungen für eine moderne Lernumgebung.

Gemeinschaftsschule Wenigenjena
Jenzigweg 29
07749 Jena
Thüringen

beauftragt von
Kommunale Immobilien Jena (KIJ), Jena

geplant von
RKW Architektur +, Leipzig

IHLE Landschaftsarchitekten, Weimar

Mathes Beratende Ingenieure, Dresden

TRABERT + PARTNER
Ingenieurbüro für Statik + Konstruktion, Geisa

WPW LEIPZIG GmbH, Leipzig
MLT Medien Licht Technik Ingenieure, Leipzig

Neubau

Bauzeit
4/2014 – 08/2019

Grundstücksfl äche in m²: 20.100
Hauptnutzfl äche in m²: 8.540
Primärenergiebedarf in kWh/m²a: 99
Endenergiebedarf in kWh/m²a: Wärme 73, Strom 23
Brutto-Grundfläche: 12.101 m²
Brutto-Rauminhalt: 56.591 m³

Urteil der Jury

Die Gemeinschaftsschule Wenigenjena beweist auf eindrückliche Weise, welchen Einfluss das Zusammenspiel pädagogischer Anforderungen und architektonischer Raumkonzeptionen unter Berücksichtigung des Aspektes der inklusiven Bildung auf einen zukunftsfähigen Schulbau haben kann.

Als Ausdruck der gesellschaftlichen Wertschätzung für die Bildung gibt diese Schule Antwort: Weg von der konventionellen Flurschule wartet sie mit alternativen Lösungen auf. Die Planer:innen des Projektes haben weit über die baurechtlich geforderten Mindeststandards der Barrierefreiheit hinausgedacht, gestaltet, geplant und gebaut, das sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis aus Funktionalität, gesunder und sicherer Lernumgebung, Nachhaltigkeit und optimierten Nutzungsbedarfen. Das alles macht nachhaltigen und zukunftweisenden Schulbau aus. Das Projekt hat Vorbildcharakter.

Bei einer Schule dieser Größenordnung trägt die Anwendung des Clusterprinzips „Schule in Schule“ zu einer offenen Lernlandschaft in kleineren Einheiten (Lernhaus) und somit zu einer besseren Orientierung im Haus bei. Dezidierte Eingriffe – wie in die Akustik, Farbgebung und Beleuchtung – stellen für Menschen mit sensorischen oder kognitiven Einschränkungen mehr als Komfortmerkmale dar, fördern die gesunde Lernqualität und reagieren achtsam auf vielfältige Nutzerbedürfnisse. Integriert wurden außerdem Ruhezonen, Therapiebereiche und Abstellmöglichkeiten, welche in einem inklusiven Schulalltag keine Nebenrolle spielen.

Kontrovers diskutiert wurde in der Jury ein sensibleres städtebauliches Einfügen in die Umgebung, eine bescheidenere Fassadenarchitektur sowie ein behutsamerer Umgang mit der Landschaftsarchitektur. Die Jury verleiht diesem Projekt den Sonderpreis Barrierefreiheit. Die Qualität des Projektes zeichnet sich durch seine maximale Nutzungsqualität sowie seinen vorbildhaften Umgang mit der baulichen Barrierefreiheit aus.